Vermögensverwaltung: Trickst so die Commerzbank?

Es ist an für sich nichts Neues, dass Individualität und Transparenz Fremdwörter für die Banken- bzw. Finanzindustrie sind. Dennoch erschreckt uns diese Tatsache in unserem Beratungsalltag als Honorarberater und unabhängiger Vermögensverwalter in Köln immer wieder aufs Neue. In diesem Beitrag zeigen wir auf, was die Analyse der Vermögensverwaltung (Wealth Management) der Commerzbank, in der unsere Mandanten noch investiert sind, ergeben hat und wie Sie wesentlich mehr aus Ihrem Vermögen machen können.

Vertragliche Rahmenbedingungen


Zitat: Ihre Anlagestrategie strebt eine langfristige Vermögensmehrung an. Eine kurz- und langfristig hohe Risikobereitschaft ist dafür erforderlich. Hohe jährliche Vermögensschwankungen können damit einhergehen.


Die erste Frage für einen Anleger ist: Wie stark soll sich das Vermögen mehren? Oder mit anderen Worten: Was will der Anleger in welchem Zeitraum erreichen? Daraus leitet sich das für ihn nötige Risiko ab, da das Risiko die Höhe der zu erwartenden Rendite bestimmt. Wichtig zu beachten ist ebenfalls die individuelle Risikobereitschaft und Risikotragfähigkeit - also welches Risiko möchte und kann man eingehen. Daher wirkt es sehr pauschal, dass eine „hohe Risikobereitschaft“ nötig ist. Was verbirgt sich hinter dieser Pauschalaussage der Commerzbank?

Zitat: Ihre aktuelle Anlagestrategie (…) sieht eine maximale Aktienquote von 100 % vor.


Die Aktienquote ergibt sich aus dem Risikoprofil des Anlegers. Hier ist die gesamte Vermögenssituation des Mandanten zu beachten und nicht nur auf Portfolioebene. Wurde das überhaupt im Prozess berücksichtigt?


Zitat: Als Honorarvereinbarung haben Sie ein pauschales Entgelt in Höhe von 1,00 % zzgl. USt vereinbart.

Ein prozentuales Honorar ist in der Branche üblich. Mit Zuwachs des Vermögens, was Ziel der Anlagestrategie ist, steigt dann auch das Honorar. Nur steigt auch der Aufwand für die Vermögensverwaltung? Nein! Es ist nämlich kein Unterschied, ob beispielsweise 250.000 oder 2,5 Millionen Euro über Fonds verwaltet werden müssen, wie es hier der Fall ist. Die Digitalisierung spielt uns Vermögensverwaltern nämlich sehr in die Karten.





Geeignetheitsprüfung


Zitat: Risiko- und Renditeprofil: Mit höchsten Kursschwankungen soll eine höchste Rendite erwirtschaftet werden (Risikostufe 7).


Hier wäre mal interessant zu erfahren, wie man auf dieses Profil kommt. Denn nach unserer Analyse sind unsere Anleger, die ihr Vermögen für den Ruhestand benötigen, keinesfalls Anleger in der höchsten Risikostufe. Schließlich geht es hier um die Sicherung der Existenz. Es liegt die Vermutung nahe, dass sich die Commerzbank hier einfach höchstmöglich absichern möchte und völlig frei handeln kann.


Ergebnis


Während die eigene Benchmark der analysierten Vermögensverwaltung in dem Berichtszeitraum 31.12.2018 bis 30.09.2019 15,58% erzielt hat, hat die Commerzbank nach Kosten 14,15% erwirtschaftet. Auf den ersten Blick also 1,43% schlechter abgeschnitten als der Vergleichsindex.


Benchmark


Zu beachten ist, dass die Aktienseite aber mit Kursindizes (ohne Berücksichtigung von Dividendenzahlungen) verglichen wird. Der Anleger erhält aber über die Vermögensverwaltung jedoch Dividendenzahlungen, die in dem o.g. Ertrag berücksichtigt sind. Somit ist die wahre Differenz sogar höher als 1,43%. Aus unserer Sicht ist dies eine klare Täuschung der Anleger!


Wie Sie es besser machen


Grundlegendes


Zwei wesentliche Versprechen für aktive Vermögensverwaltung sind Gang und Gäbe:


  1. eine höhere Rendite als die Marktrendite zu erzielen und zum anderen in unruhigen Zeiten,

  2. die temporären Verluste in Grenzen zu halten.


Dies wird mit der Auswahl der „richtigen“ Wertpapiere und dem Finden der „richtigen“ Kauf- und Verkaufszeitpunkte begründet. In der Theorie klingt das verständlicherweise sehr attraktiv.


Aber die Wahrheit ist eine andere. Wirft man einen Blick in die mittlerweile zu Genüge vorliegenden Studien, stellt man fest, dass bei einem Anlagehorizont von mehr als 10 Jahren, die man bei einem Kapitalmarktinvestment mitbringen sollte, es weltweit maximal 2 % aller Fondsmanager/Vermögensverwalter schaffen, besser abzuschneiden als der Markt. Sowohl bei den Gewinnen, als auch Verlusten. Damit hat sich Eugene Fama im Rahmen seiner Markteffizienzhypothese beschäftigt und wurde 2013 für seine Arbeit zu der Effizienz von Märkten mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Nach dieser ist es keinem Marktteilnehmer dauerhaft möglich, überdurchschnittliche Gewinne am Kapitalmarkt zu erzielen.


Und wie wir oben gesehen haben, hat es die Commerzbank in dem Berichtszeitraum, auch wenn dieser kurz ist, nach den uns vorliegenden Unterlagen auch nicht geschafft, die eigene Benchmark zu schlagen.


Laut Aussage unserer Anleger hat die Vermögensverwaltung der Commerzbank in den letzten 5 Jahren mit dieser Strategie sogar nur 3% p.a. erwirtschaftet. Das ist unserer Meinung nach, mehr als dürftig. Denn: mit einem ETF auf den Weltaktienmarkt (FTSE All-World) inkl. Schwellenländer hätte man in den letzten 5 Jahren einen Vermögenszuwachs von 42,44% erzielt. Und das ohne Spekulation, die Vermögensverwaltung birgt.

Entwicklung FTSE All World

ETF / Indexfonds


Mit ETF und Indexfonds lassen sich vorherrschende Renditen im Rahmen einer Buy-and-Hold-Strategie effizient abschöpfen. Diese bilden einfach nur einen Index, wie bspw. den Dax, ab. Das macht es sehr kostengünstig, transparent und planbar. Aber eben nur, wenn diese für eine konstante Strategie eingesetzt werden.


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