Rürup-Rente: Verschleiert die Nürnberger erhebliche Kosten?

Wir haben bereits mehrfach über Kosten in Finanz- und Versicherungsprodukten berichtet. Doch wir können nicht oft genug darüber schreiben, wie wichtig es ist, sich mit diesen VOR einem Vertragsabschluss zu befassen. Doch auch wenn man dies versäumt hat, weil man es eben nicht besser wusste, sollte man sich die Verträge jetzt zur Brust nehmen und diese einmal durchrechnen. Denn nur dann kann man feststellen, ob und wie man das Ruder noch herumreißen kann.


So auch in dem nachfolgenden Erfahrungsbericht. Die Unternehmerin konsultierte uns auf Empfehlung ihres Steuerberaters, um ihre bereits getroffene Altersvorsorge überprüfen zu lassen und diese weiter auszubauen. Bereits in dem Kennenlerngespräch teilte sie uns mit, dass sie das Gefühl habe, dass bei der fondsgebundenen Rürup-Rente (Basisrente) der Nürnberger Versicherung nicht wirklich etwas passiert. Unsere Vermutung, dass es sich um eine fondsgebundene Rentenversicherung mit Beitragsgarantie handelt, sollte sich bewahrheiten. Doch der Reihe nach.


Im Rahmen der ausführlichen Vertragsanalyse forderten wir sämtliche Informationen bei der Nürnberger an. Nach über acht Wochen erhielten wir dann endlich eine Antwort. Ob es an der Kurzarbeit wegen Corona lag, können wir nicht verifizieren. Schließlich rücken Versicherer immer ungern mit der Sprache hinsichtlich Kosten raus. Folgende Parameter wurden uns mitgeteilt:


  • NÜRNBERGER Fondsgebundene BasisRente (NFR2508TS*F)

  • Doppel-Invest (Nürnberger Garantiefonds und FFPB MultiTrend Doppelplus)

  • Vertragsbeginn 2009

  • Startbeitrag 500 Euro pro Monat

  • aktueller Beitrag 1.946,85 Euro im Monat

  • laufende Verwaltungskosten 38,33 Euro pro 500 Euro Beitrag (7,666% p.a.)

  • Abschlussprovision 7.440 Euro

  • Gezahlte Beiträge per April 2020 162.440 Euro

  • Gezahlte Einmalzahlungen per April 2020 46.084 Euro


Wir sind zu folgendem Ergebnis gekommen:


Es handelt sich hier, wie bereits vermutet, um eine fondsgebundene Rentenversicherung mit Beitragsgarantie. Diese Produktart wird auch als "3-Topf-Hybrid" bezeichnet, da diese aus den Komponenten Deckungsstock, Wertsicherungsfonds und freie Fondsanlage besteht.


Je nach Lage an den Kapitalmärkten wird das Kapital in diesen drei Töpfen neu verteilt. Das mag sich gut anhören, ist aber de facto Market-Timing. Und das funktioniert eben nicht zuverlässig - im Gegenteil. Den Nachteil von Market-Timing lesen Sie zum Beispiel hier. Weiterhin macht es das Ganze intransparent und die individuelle Risikomentalität spielt hier keine Rolle.

Hinzu kommt, dass die Integration von Beitragsgarantien "Autofahren mit angezogener Handbremse" gleichkommt, da es höhere Kosten produziert und das Tempo verlangsamt. Renditen am Kapitalmarkt werden nicht im vollen Umfang abgeschöpft. Da bei einem weltweiten Kapitalmarktinvestment und einem Anlagehorizont von 10 Jahren plus X die Verlustwahrscheinlichkeit nahe null liegt, warum schließt man dann so einen Unsinn ein?

Die freie Fondsanlage unterliegt der Spekulation und ist mit einer TER von fast drei Prozent sehr teuer.


Bis September 2019 wurden 194.903 Euro an Beiträgen und Zuzahlungen geleistet. Das Kapital zum 1. September 2019 betrug 181.720 Euro. Der Verlust betrug also bis dahin 13.183 Euro. Sollte der Septemberbeitrag in der Wertmitteilung per September 2019 nicht enthalten sein, so sind es min. 11.236 Euro Verlust. Und das nach 10 Jahren Vertragslaufzeit und steigenden Märkten! Da aber die steigenden Märkte nicht im vollen Umfang "mitgenommen" wurden, ist der Schaden (wesentlich) größer.

Doch was schreibt die Nürnberger? Die Kapitalmärkte wären Schuld.

Es ist also vollkommener Unsinn, die Entwicklung der Kapitalmärkte für den aktuellen Vertragsstand verantwortlich zu machen. Weiterhin wird in den Ausführungen das zuletzt gute Börsenjahr 2019 nicht erwähnt. Nur 2017 und 2018. Ein Schelm wer Böses denkt und eine Verschleierung der Kosten vermutet.

2018 wurden beispielsweise 5.142,89 Euro an Kosten bezahlt – das entspricht 2,6 Monatsbeiträge. Es wurden also nur knapp 9 Beiträge investiert, obwohl 12 gezahlt wurden!

Bei Vertragsabschluss wurden 7.440 Euro an Provisionen entrichtet und bei jeder (!) Zuzahlung sind weitere Provisionen angefallen. Die gesamte Höhe geht aus den Unterlagen nicht hervor – natürlich nicht. Wird aber zwischen 2,5 und 4,5% auf die Zuzahlungen liegen. Also zwischen 1.152 und 2.073 Euro. Zusammen also bis zu fast 10.000 Euro zzgl. Betreuungsprovisionen, die wohl aus dem laufenden Beitrag finanziert werden. Mit der Erhöhung des Beitrags von 500 Euro auf rund 1.950 Euro im Monat, wird die reale Gesamtprovision irgendwo zwischen 15.000 und 25.000 Euro liegen. Da wird sich wenigstens der Versicherungsmakler gefreut haben.

Die beitragsbezogenen Kosten betragen 7,666% ( 38,33 / 500 ) pro Beitrag und wird durch die obige Kostenaufstellung aus 2018 – bis auf mögliche Rundungsdifferenzen von ca. 50 Euro aufs Jahr – bestätigt.

Es hat wieder einmal gezeigt, dass sich „Steuern sparen“ nett anhört, tatsächlich aber sehr viel Geld verbrannt wird. Und es kann nicht sein, dass Steuerersparnisse dazu dienen müssen, um unrentable Verträge „aufzufangen“. Das zu staatlich geförderter Altersvorsorge. Es ist fast immer das gleiche Spiel.


Sie haben bereits Versicherungsverträge? Lassen Sie diese sicherheitshalber von einem Honorarberater überprüfen. Auf Basis der Analyse können Sie dann entscheiden, wie Sie zukünftig investieren.



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