HypoVereinsbank: sind 15% Gebühren das Ergebnis einer kundenorientierten Anlageberatung?

Neulich fragte mich ein Mandant, ob ich mir eine Anlageempfehlung, die sein Bekannter nach einer Anlageberatung durch die HypoVereinsbank München erhalten hat, einmal ansehen könne. Schließlich ahne er aus eigener Erfahrung mit Banken nichts Gutes. Natürlich habe ich seine Frage mit einem "Ja, klar!" beantwortet und die Anlageempfehlung analysiert. Das Ergebnis ist haarsträubend. Doch eins nach dem anderen.


Anlageziele und wesentliche Anliegen für die Anlageberatung


Nachfolgend wird der mir vorliegende Report zur Anlageberatung durch die HypoVereinsbank zitiert.


Maximaler Anlagehorizont


7 Jahre


Ihr heutiges Anliegen


Es sollen in der heutigen Anlageberatung 30.000€, die noch nicht in Ihrem Portfolio angelegt sind, in einem Anlagevorschlag berücksichtigt werden. (...) Wichtig ist Ihnen dabei, dass die Anlage während des gewünschten Anlage- bzw. Ansparzeitraums kurzfristig (z.B. börsentäglicher Verkauf/Kündigung) verfügbar ist. Bei Anlagen in Wertpapieren wird ein Kursrisiko in Kauf genommen, weder zum Ende noch während der Anlagedauer ist eine bestimmte Rückzahlungshöhe erforderlich. Wertpapiere mit Kapitalschutz werden jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Die Beteiligung an einem Geschlossenen Fonds (Sachwert) kommt für mich/uns im Rahmen der heutigen Beratung nicht in Frage. Es wurden keine weiteren Anliegen geäußert.


Zeitraum (Datum, Uhrzeit von/bis)


18. Januar 2021, 12:00 bis 12:42 Uhr


Diese teure Geldanlage wollte die HypoVereinsbank verkaufen



Kosten der Geldanlage


Positiv zu erwähnen ist, dass ein ETF - Zeile 1 - ausgewählt wurde. ETFs (Exchange Traded Fund, dt. börsengehandelter [Index-]Fonds) sind kostengünstig, transparent und verzichten auf jegliche Spekulation. Sie bilden einfach nur einen Index - hier den NASDAQ 100 - ab. Dieser Index bietet Zugang zu 100 der größten Unternehmen, die im Aktiensegment der NASDAQ gelistet sind und nicht der Finanzbranche angehören.


Doch in dem vorliegenden Fall wird die grundsätzliche Kosteneffizienz dieser Produktart durch Bankkosten zunichte gemacht. Denn: die HypoVereinsbank berechnet nicht nur anfängliche, sondern auch laufende Kosten sowie Gebühren für den Ausstieg (Verkauf). So werden die Kosten bei dem von Hause aus günstigen ETF (hier 0,31% p.a.) auf 4,55% Kosten bei einer Haltedauer von 5 Jahren deutlich hochgetrieben.


Bei den restlichen Fonds handelt es sich um aktiv gemanagte Produkte mit entsprechend hohen laufenden Produktkosten. Alle wurden mit 5% Ausgabeaufschlag (Provision) offeriert. Ist es nicht verwunderlich, dass der größte Anlagebetrag in den teuersten Fonds mit 22,5% Kosten empfohlen wurde? Ein Schelm wer Böses denkt.


Und natürlich wurde auch ein Zertifikat in den Anlagevorschlag eingebaut. Warum? Es fährt mit 6,78% schöne Front-Up-Gebühren ein. Das haben Banken längst für sich entdeckt, sodass Zertifikate oft empfohlen werden.


In Summe verschlingt die von der HypoVereinsbank empfohlene Geldanlage 15,62% Gebühren. Kann man das als kundenorientierte Anlageberatung bezeichnen? Der ein oder andere möge jetzt sagen: "Was nichts kostet, ist auch Nichts". In manchen Bereichen des Lebens mag das durchaus zutreffen. Nur bezogen auf eine Geldanlage ist das purer Unsinn. Es ist kein Geheimnis mehr, dass aktiv verwaltete Geldanlagen langfristig überwiegend eine Underperformance (Unterrendite) im Vergleich zu der korrekt gewählten Benchmark erzielen. Ein Grund dafür sind die vergleichsweise hohen Kosten. Denn diese müssen ja erst einmal verdient werden. Das bedeutet, dass die Rendite fast 16% höher als die des Vergleichsindex ausfallen müsste. Mit Glück vielleicht möglich, mit Planbarkeit definitiv nicht. Suchen nicht gerade deutsche Anleger Sicherheit und Planbarkeit?


Risiken der Geldanlage


Kursrisiko


Obwohl der Kunde einen maximalen Anlagehorizont von 7 Jahren vorgegeben hat, wurde auf Fondsebene eine 100% Aktienquote empfohlen. Dies ist insofern kritisch, als dass die Anlageklasse "Aktien" kurzfristig deutlichen Schwankungen unterliegen kann. Nur langfristig betrachtet ist diese Anlageklasse die Stabilste aller.

Aus diesem Grunde sollte der Anlagehorizont min. 10 besser sogar 15 Jahre betragen. Mit einem global diversifizierten Aktienportfolio sind - historisch betrachtet - erst bei 15 Jahren Anlagedauer Verluste ausgeschlossen gewesen.

Unter dem "heutigen Anliegen" heißt es: Bei Anlagen in Wertpapieren wird ein Kursrisiko in Kauf genommen, weder zum Ende noch während der Anlagedauer ist eine bestimmte Rückzahlungshöhe erforderlich.

Fraglich ist, ob dem Kunden verständlich erklärt wurde, welche Konsequenzen "Kursrisiko in Kauf zu nehmen" wirklich bedeutet.


Die nachfolgende Darstellung gibt die maximalen und minimalen Erträge des Kalenderjahres sowie die durchschnittliche jährliche Rendite von 1901-2019 für verschiedene Aktien- und Anleihenzuteilungen an, die jährlich neu ausbalanciert werden. Aktienrenditen werden durch den DMS World Equity Total Return Index von 1901 bis 1969 und danach durch den MSCI World Index dargestellt. Die Erträge aus Anleihen werden von 1901 bis 1999 durch den DMS World Bond Total Return Index und danach durch den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index (in Euro abgesichert) repräsentiert. Die Renditen sind in Euro (D-Mark vorher), mit reinvestierten Erträgen, bis zum 31. Dezember 2019. Quelle (Bild und Beschreibung): Vanguard.


Beste, schlechteste und durchschnittliche Rendite zahlreicher Portfolio-Kombinationen aus Aktien & Anleihen von 1900 bis 2019

Bei 100% globaler Aktienquote muss ein Anleger also bereit sein, basierend auf Vergangenheitswerten, über 40% Kurseinbruch auszuhalten bzw. auch finanziell tragen zu können. Falls nicht, ist die Aktienquote entsprechend abzustufen. Die Risikonotwendigkeit darf dabei natürlich nicht außer Acht gelassen werden.


Diversifikation


Blickt man tiefer in das Portfolio, so stellt man auf Fondsebene folgende Gewichtungen fest (Auszug):


Regionen


Amerika: 64,66%

Europa: 6,37%

Asien: 28,92%


Sektoren


Technologie & Telekommunikation: 47,58%


Hier sei die Frage gestattet, ob Über- bzw. Untergewichtungen aus Risikogesichtspunkten sinnvoll sind.

Ein solides und optimal diversifiziertes Portfolio deckt den Markt entweder nach der sog. Marktkapitalisierung (hier sind die USA jedoch auch mit über 50% noch "übergewichtet"), oder nach der Wirtschaftsleistung (BIP) oder nach einem Mischansatz (50% Marktkapitalisierung, 50% Wirtschaftsleistung) ab.

Jedoch nicht nach "Pi mal Daumen" oder dem allseits bekannten "Bauchgefühl".


Aber was soll bei einer "Beratung", die nur 42 Minuten gedauert hat, auch das Ergebnis sein?

Eine auf den Kunden ausgerichtete Beratung dauert jedenfalls erfahrungsgemäß deutlich länger.


Empfehlung


Banken sind meist kein Ort, wo man eine kundengerechte Beratung findet und Geld anlegen sollte. Es sind Vertriebseinheiten für Anlageprodukte, die nur zweien Rendite einbringen - der Bank und dem Produktgeber.


Wenn Sie Beratung suchen, wenden Sie sich an einen unabhängigen Honorarberater. Nur bei dieser Art von Beratern werden Sie in Ihrem Sinne beraten, da keine Interessenkonflikte wegen Zahlungen Dritter bestehen.


Haben Sie in der Vergangenheit Geld bei einer Bank angelegt, holen Sie sich zwingend eine Zweitmeinung von einem Honorarberater - wie beispielsweise uns - ein.

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