Haus-Wunsch raubt den Verstand

Es ist ein Phänomen, wie die Werbeindustrie bzw. Banken und Bausparkassen es geschafft haben, die eigenen vier Wände als sinnvolle Altersvorsorge bei den Deutschen in den Kopf zu hämmern.


Das wurde jüngst in einem unserer Kennenlerngespräche wieder deutlich bzw. wie sehr der (mathematische) Verstand bei diesem Thema aussetzt.


Motiv für eine Beratung des Neumandanten ist das Thema Altersvorsorge parallel zu dem Hauskauf angehen zu wollen, sowie die Tatsache, dass die aktuellen fondsgebundenen Rentenversicherungen nach acht Jahren immer noch im Minus sind. Der vermeintlich unabhängige Finanzberater habe aber bei Vertragsvermittlung der Policen ganz anders geredet.


Als der über 50-jährige Interessent auf die bereits zugesagte Finanzierung zu sprechen kam, erwähnte er, dass es etwa eine 97% Finanzierung für ein selbstgenutztes Reihenhaus wird.

Diese Aussage machte Stefan Kemmler als wirklich unabhängigen Finanzberater, da er Honorarberater ist, stutzig. Also fragte er nach, für welchen Betrag er das Haus erwerben möchte und wieviel Eigenkapital zur Verfügung stehe. Es stellte sich heraus, dass der Kaufpreis des Objektes bei 270.000€ zzgl. Erwerbsnebenkosten (!) liegt und 20.000€ Eigenkapital eingesetzt werden. Die Frage, ob dann noch weitere Reserven von min. 6 Monatskosten zur Verfügung stehen, wurde vereint und auf mögliches Kapital in den Fondspolicen verwiesen – die aber eigentlich für die Altersvorsorge verplant sind.


Im Rahmen unserer ehrlichen und offenen Kommunikation stellten wir – für ein Kennenlerngespräch unüblich – klar, dass er sich ein Haus bei der geschilderten Gesamtsituation nicht leisten kann. Dies wurde wie folgt erläutert:


1. Fundament einer soliden Finanzplanung ist das Vorhalten einer eisernen Barreserve von 3-12 Monatskosten je nach Sicherheitsbedürfnis.

2. Für eine über 20 Jahre alte Immobilie sollte weiteres Kapital für Instandhaltung zur Verfügung stehen.

3. Das Finanzierungsvorhaben sollte bis zum Renteneintritt abgeschlossen sein.

4. Unterstellt man 2,5% Zinsen und 270.000€ Finanzierungsvolumen sowie 15 Jahre Laufzeit (bis 67), so liegt die Rate für die Bank bei 1.800€ monatlich. Die aktuelle Miete für ebenfalls ein Reihenhaus aber 900€ im Monat.

5. Zur Rate kommen Nebenkosten und Instandhaltungsrücklage.

6. Zwar spart man im Alter die Kaltmiete, aber es gibt nach wie vor laufende Kosten.

7. Planerisch stellt eine selbstgenutzte Immobilie „totes“ Kapital dar, da diese keine Liquidität generiert.

8. Die aktuelle Altersvorsorge scheint ohnehin nicht ausreichend zu sein.

9. Weitere Vermögensbildung muss zur Aufwendung für die Rate etc. berücksichtigt werden.

10. Dass man sich entgegen dem Wunsch des Mandanten zur aktuellen Situation einschränken müsste.


All diese Aspekte wurden sowohl von dem angeblich unabhängigen Finanzberater als auch von einem weiteren unabhängigen Finanzierungsberater nicht im Sinne des Kunden verdeutlicht und von einer Finanzierung vor einer exakten Finanzplanung abgeraten.


Natürlich nicht, da beide erst nur durch die Vermittlung einer Finanzierung Geld verdienen. Die Provision liegt i.d.R. bei 1% der Finanzierungsumme. Knappe 3.000€ sind selbstverständlich ein nettes Sümmchen für den Vermittler.

Der Finanzberater war sogar noch so gewieft und hat dem Kunden eine niedrige Tilgung empfohlen sowie die Tilgung mit einer Rentenversicherung abzusichern. Also eine Art endfälliger Tilgung - wie sie früher oftmals verkauft wurde und heute fast nie aufgeht. Aber das hätte natürlich weitere Provision auf das Konto des „Finanzberaters“ gespült.


Fakt ist, der Kunde hat hier keinen Rat in seinem Sinne erhalten, sondern nur Zuspruch zugunsten von Courtagen. Der Kunde hat auch schon diese typischen Vertriebsfloskeln oder Durchhalteparolen á la „das wird schon irgendwie klappen“ adaptiert – zur Not eben mit einer Anschlussfinanzierung. Letztere wurde seitens des Mandanten so oft erwähnt, dass deutlich gemacht werden musste, diesen Irrsinn aus den Gedanken zu verbannen.


Wir können dem Kunden nur wünschen, dass er allem voran eine solide Finanzplanung auf Basis aller Fakten erstellt und auf Basis dessen, seine eigene Entscheidung trifft – anstatt blauäugig etwas übers Knie zu brechen.


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