Geld richtig anlegen - eine Anleitung

Studien belegen immer wieder, dass die Hälfte der Deutschen finanzielle Analphabeten sind. Wir sind Weltmeister im Sparen, aber Tabellenschlusslicht beim Geld anlegen - wie der europäische Vergleich zeigt. Kein Wunder also, dass Vermögen überwiegend sogar vernichtet wird. Der Grund dafür ist, dass die Renditen mickrig ausfallen. Tagesgeld, Sparbuch & Co. werfen bekanntlich keine Zinsen mehr ab.


Hinzukommt, dass sich die Finanzbranche unser Unwissen gezielt zu Nutze macht. Es werden Geldanlage-Produkte mit großen Versprechungen verkauft, die i.d.R. nicht in Erfüllungen gehen. Der Großteil der vertriebenen Finanzprodukte ist schlichtweg dysfunktional.


In sozialen Netzwerken wie XING oder LinkedIn ist zu beobachten, dass sowohl vermeintlich unabhängige Finanzberater, als auch Produktanbieter häufig Fondsportraits mit exorbitanten Entwicklungen posten. Natürlich um Kunden anzulocken. Leider beinhalten diese Postings fast immer nur die halbe Wahrheit. Aber wie heißt es im Vertrieb so schön? "Die Kunst liegt im Weglassen". Entscheidend ist jedoch - und das hat die Finanzbranche bis heute nicht verstanden - dass vor der Produktauswahl eine Planung aufgestellt werden sollte.


Nachfolgend erhalten Sie eine kleine Anleitung, die Sie von Bankern, Finanzberatern oder Vermögensverwaltern eher nicht bekommen, aber über den Erfolg Ihrer Geldanlage entscheiden.



1. Ziele definieren


Bevor Sie einen Urlaub buchen, überlegen Sie, was Sie erreichen möchten. Wollen Sie einfach nur entspannen oder Ihren kulturellen Horizont erweitern? Wie lange können Sie überhaupt verreisen? Daraus folgt, ob Sie einen sonnigen Strandurlaub am Meer oder die Städtereise buchen. Diese Fragen bzw. Folgerungen lassen sich auf die Überlegungen zu Ihrer Geldanlage eins zu eins übertragen. Konkret bedeutet dies beispielhaft:

  • Welche Ziele möchten Sie erreichen? Rücklagen bilden, Anschaffung realisieren, Altersvorsorge aufbauen?

  • Wann wollen Sie Ihre Ziele erreicht haben?

  • Welche Produkte sind für die Zielerreichung geeignet?


2. Anlagedauer bestimmen


Ihre definierten Ziele geben Aufschluss darüber, wie lange Sie Ihr Geld anlegen können.

  • Rücklagen bilden: kurzfristig

  • Anschaffung realisieren: mittelfristig bis langfristig

  • Altersvorsorge aufbauen: langfristig


3. Risikomentalität ermitteln


Rendite und Risiko gehören genauso zusammen wie die Nacht zum Tag. Diese beiden Gegebenheiten sind also nicht voneinander trennbar. Je höher die erwartete Rendite, desto höher auch das (erwartete) Risiko.

Also ist es wichtig, dass Sie sich weitere Fragen stellen:

  • Risikotragfähigkeit: welches Risiko können Sie finanziell tragen?

  • Risikonotwendigkeit: welches Risiko sollten Sie eingehen?

  • Risikobereitschaft: welches Risiko möchten Sie fühlen?

Risikotragfähigkeit


Bei einem kurzfristigen Anlageziel wie z.B. das Bilden bzw. Vorhalten einer unverzichtbaren Liquiditätsreserve (3-12 Monatsausgaben) sollten Sie auf 100% auf Nummer sicher gehen, damit das Geld jederzeit verfügbar ist. Anders hingegen sieht es bei Kapital aus, auf das Sie mittel- bis langfristig vollkommen verzichten können. Dort können Sie ein höheres Risiko eingehen, wenn es Sie in Krisenzeiten nicht existenziell gefährdet.


Risikonotwendigkeit


Die Risikonotwendigkeit ist letztlich reine Mathematik. Sie lässt sich durch Ihr Vermögensziel, dem aktuellen Vermögenswert bzw. Sparrate und Laufzeit berechnen. Plattformen wie Zinsen-berechnen.de stellen entsprechende Renditerechner zur Verfügung. Haben Sie z.B. ausgerechnet, dass eine Rendite von 6% p.a. benötigt wird, so ist ein risikoreicher Anteil zwischen 70 und 100% (basierend auf der historischen Entwicklung von Aktien) kalkulatorisch nötig.


Risikobereitschaft


Wenngleich Emotionen aus fachmännischer Sicht bei der Geldanlage nichts zu suchen haben, so sind diese dennoch nicht zu vernachlässigen. Denn diese sind oft der Auslöser für teure Anlagefehler. Stellen Sie sich vor, Sie haben sich bei einem langfristigen Anlageziel aufgrund Ihrer Risikotragfähigkeit und -notwendigkeit vor der Corona-Krise dafür entschieden, 100.000 Euro risikoreich zu investieren. Ende März 2020 haben Sie dann in Ihr Depot geschaut und festgestellt, dass Ihr investiertes Kapital nur noch 70.000 Euro wert ist. Was macht das dann mit Ihnen? Haben Sie Existenzängste? Können Sie dann noch ruhig schlafen? Kreist der Mauszeiger über dem "Verkaufen-Button" in Ihrem Depot? Solch ein Szenario gilt es gedanklich durchzuspielen, um die Höhe des risikoreichen Anteils zu bestimmen und Schweißausbrüche zu vermeiden.



4. Vermögensstruktur erstellen


Die Antworten auf alle o.g. Fragen ergeben dann Ihre Vermögensstruktur. Dazu ein sehr einfaches Beispiel:

  • verfügbares Kapital: 100.000 Euro

  • benötigte Liquiditätsreserve: 30.000 Euro

  • langfristiges Anlageziel ist die Altersvorsorge

  • auf das Kapital können Sie 20 Jahre verzichten

  • benötigte Rendite 4% p.a.

  • Bereitschaft 25% temporäre Verluste zu "ertragen"

beispielhafte Vermögensstruktur - nur zu Illustrationszwecken

5. Anlageprodukte wählen


Ein gut gemeinter Rat ist, dass Sie keine Produkte bei Ihrer (Haus-)Bank oder Ihrem Finanzberater abschließen.

Warum? Ganz einfach! Eine alte Kaufmannsregel besagt: „Der Gewinn liegt im Einkauf“. Daher sind Kosten auch bei der Geldanlage ein sehr entscheidender Faktor. Ist ein Finanzprodukt aufgrund Provisionen für den Vermittler und Verwaltungskosten teuer, wirkt sich das negativ auf Ihre Rendite aus. Nur wann ist ein Produkt teuer und wann preiswert? Die Gesamtkostenquote inklusive aller Nebenkosten sollte bei höchstens ein Prozent im Jahr liegen. Das Problem: Solche Produkte bekommen Sie am Bankschalter oder beim Finanzberater in der Regel eher nicht, weil der Vermittler damit eben kein Geld verdient. Deren Produkte fressen hingegen meist 3-4% pro Jahr durch Kosten auf. Bei 6% Marktrendite kommen bei Ihnen nur 2-3% an. Abzüglich Inflation und Steuern ist das quasi eine Nullnummer.


Doch in welchen Produkten sollten Sie Ihr Geld nun anlegen? Nachfolgend erhalten Sie einen groben Überblick zu den verschiedenen Produkten mit den entsprechenden Vor- und Nachteilen, sowie Geeignetheit und Anlagedauer.


Tages- und Festgeld

Ein Tagesgeldkonto eignet sich für die Liquiditätsreserve, da Sie jederzeit auf das Geld zurückgreifen können. Bei einem Festgeldkonto müssen Sie etwas auf Ihr Geld verzichten können. In beiden Fällen sind die Zinsen nicht der Rede wert. Manche Banken verlangen mittlerweile sogar Strafzinsen. Einen Überblick können Sie sich auf Onlineportalen wie Weltsparen.de verschaffen. Zu beachten ist die europäische Einlagensicherung bis 100.000€ pro Kreditinstitut pro Person. Bei Anlagebeträgen von über 100.000 Euro sollte das Geld auf mehrere Banken verteilt werden.

Geeignet für: Liquidität Anlagedauer: kurzfristig (bis zu 5 Jahre) Aktien

Die Anlageklasse Aktien gehört ausnahmslos in jede Vermögensstruktur. Sie ist historisch betrachtet die rentabelste Anlageklasse und gilt langfristig als Renditequelle. Während Sie Produkte von Aktiengesellschaften konsumieren, können Sie sich auch an diesen beteiligen und von Dividenden und Kurssteigerungen profitieren. Als Privatanleger sollten Sie jedoch für eine solide Geldanlage keine Einzelaktien kaufen. Die Gründe dafür sind: umfassendes Know-how, Risikostreuung und Kosten. Das geht einfacher über Investmentfonds (siehe unten).

Geeignet für: Altersvorsorge, Vermögensaufbau Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)


Anleihen

Festverzinsliche Wertpapiere, auch Anleihen oder Renten genannt, eignen sich sehr gut um das Risiko von Aktien abzufedern. Aufgrund des Emittentenrisikos, also dem Ausfall des Schuldners, dem Sie quasi Geld leihen, sind nur Anleihen mit höchster Bonität empfehlenswert. In Krisenzeiten, also wenn die Zinsen (noch weiter) fallen, kann man von steigenden Kursen profitieren. Das Zinsänderungsrisiko können Sie minimieren, indem Sie auf kurzlaufende Anleihen bis fünf Jahre setzen. Nur machen Sie sich auch hier nicht selbst die Mühe und begeben Sie sich auf die Suche nach guten Anleihen. Das geht mit einem geringeren Risiko und Kosten einfacher, indem Sie ebenfalls in entsprechende Investmentfonds investieren.

Geeignet für: Altersvorsorge, Vermögensaufbau Anlagedauer: mittelfristig (ab 5 Jahre)

Investmentfonds

Der Grundgedanke eines Investmentfonds ist das Risiko zu streuen. Aufgrund der UCITS-Regularien ist das Konstrukt entsprechend sicher. Weiterhin sind Investmentfonds sehr flexibel, da jederzeit Ein- und Auszahlungen sowie Sparpläne möglich sind. Konventionelle Investmentfonds, wie sie von Banken und Finanzvertrieben verkauft werden, bieten aufgrund der Kostenstruktur, Anlagestrategie und Intransparenz keinen Mehrwert. Wenn Sie Ihr Geld kostengünstig, transparent und plan- bzw. kontrollierbar in Investmentfonds anlegen, dann idealerweise in Anlageklassen- und/oder (börsengehandelte) Indexfonds.

Einfach erklärt, bilden diese einen Index - wie z.B. den Dax - ab und verzichten auf teures Fondsmanagement.


Geeignet für: Altersvorsorge, Vermögensaufbau Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)



Bausparvertrag

Um wirklich für eine Immobilie zu sparen und sich langfristig geringe Finanzierungszinsen zu sichern, kann es Sinn machen, einen richtig konzipierten Bausparvertrag abzuschließen. Allerdings sind die Zinsen in unserem aktuellen Umfeld derart gering, sodass es sowohl günstige Forward-Darlehen als auch Darlehensverträge mit bis zu 20 Jahren Zinsbindung gibt. Ansonsten eignet sich ein Bausparvertrag aufgrund der Kostenstruktur und geringen Guthabenverzinsung für die Geldanlage nicht – auch nicht für vermögenswirksame Leistungen.

Geeignet für: Immobilienerwerb Anlagedauer: mittelfristig (7-10 Jahre)


Immobilien

Selbstgenutzte Die höchste emotionale Rendite erzielen die eigenen vier Wände. Doch entgegen der allgemeinen Auffassung, dass es die beste Altersvorsorge sei, im Alter mietfrei zu wohnen, ist die selbstgenutzte Immobilie nicht das Nonplusultra. Sie kostet stets Geld – auch im Alter – und erzeugt keine Liquidität. Wenn es im Gesamtkontext passt, warum nicht. Aber es ist eben keine Unisono-Lösung.

Geeignet für: emotionale Freiheit Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)

Vermietete Eine vermietete Immobilie als Kapitalanlage sorgt über die Mieten für Einnahmen. Es gilt lukrative Objekte zu finden und das ist eine Herausforderung. Daher ist entsprechendes Netzwerk nötig. Auch wenn es um die Bewertung vor dem Kauf und später um die Bewirtschaftung geht – wenn man es nicht selber machen möchte und vor allem kann. Um Unwägbarkeiten wie Investitionen und Mietausfälle mühelos zu bewältigen, ist eine gewisse Finanzstärke Vorrausetzung. Es ist nicht unklug die Anlageklasse Immobilien zu integrieren. Wenn nicht real, dann ist es auch über Investmentfonds möglich.

Geeignet für: Altersvorsorge, Vermögensaufbau Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)

Lebens- /Rentenversicherungen

Während die klassische Lebensversicherung ausgedient hat, kann die Rentenversicherung das Langlebigkeitsrisiko absichern. Sie lohnt sich umso mehr, je älter Sie werden. Produkte von Banken und Finanzvertrieben eignen sich aufgrund hoher Kosten und Anlagemodellen allerdings nicht. Eine fondsgebundene Rentenversicherung in einem provisionsfreien Tarif mit effizientem Anlagemotor kann eine sinnvolle Lösung sein – insbesondere wenn auf staatliche Förderungen Wert gelegt wird.

Geeignet für: Altersvorsorge, Vermögensaufbau Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)

Edelmetalle

Insbesondere Gold ist eine Angstwährung und wird daher aktuell umso mehr Beachtung geschenkt. Dies ist überraschend, wenn man sich die Rendite von Gold seit Aufhebung des Goldstandards ansieht. Sie beträgt inflationsbereinigt von 1980 bis 2018 minus 0,7% p.a. Auch wird kein Cash-Flow erzeugt. Aber zu einem kleinen Teil (max. 10% des Gesamtvermögens) ist physisches Gold als kleine Beimischung denkbar.

Geeignet für: Währungsabsicherung Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)

Sachwerte wie Kunst, Oldtimer, Schmuck

Auch bei Sachwerten müssen Sie sich richtig gut auskennen, wenn nicht sogar ein Insider sein. Natürlich sind hier exorbitante Renditen möglich. Aber das ist reine Spekulation. Und selbst wenn bspw. ein Bild in 10 Jahren das 10fache Wert ist, hilft es solange nichts, bis das Bild tatsächlich den Besitzer wechselt und es somit zu dem einzigen Geldfluss kommt. Daher, wenn überhaupt, nur als kleine Beimischung zum Gesamtvermögen.

Geeignet für: Spekulation, Liebhaberei Anlagedauer: langfristig (ab 10 Jahre)

6. Konsequenz leben


Haben Sie Ihre Strategie erstellt und die Produkte ausgewählt, halten Sie daran fest. Lassen Sie sich nicht von den Freunden, Bekannten und Beratern, die nur Ihr Bestes wollen, davon abbringen. Beherrschen Sie sich, wenn Ihr Portfolio zwischenzeitlich an Wert verliert. Das ist völlig normal. Fakt ist: Jede Änderung an Ihrer Strategie kostet Geld. Entweder in Form von Handelsgebühren oder dem von Verpassen von Renditen, weil Sie zur falschen Zeit auf die falsche Karte gesetzt haben.



7. Honorarberater wählen


Wenn Sie alle Punkte lieber mit einem Berater erarbeiten möchten, ist Folgendes wichtig: Viele bezeichnen ihren Banker, Finanzberater, Versicherungsmakler oder –vertreter als Berater. Doch, um es deutlich zu sagen: Es sind keine Berater, sondern Verkäufer von Finanzprodukten. Sie verdienen, wenn sie Ihnen ein Finanzprodukt vermittelt haben. Jemand ist erst dann ein Berater, wenn er sich unmittelbar von Ihnen via Honorar unabhängig von einer Vermittlung vergüten lässt. Nur dann besteht kein Interessenkonflikt und der Honorarberater empfiehlt Ihnen, was nur für Sie und nicht sein Portemonnaie gut ist.



Haftungsausschluss: der o.g. Blog-Beitrag stellt keine Handlungsempfehlung dar. Eine Geldanlage birgt Risiken.

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